Grüß Gott, meine Damen und Herren,

anschließend an meine Kollegin möchte ich Ihnen die tiefgehenden und weit reichenden Bezüge zwischen Homöopathie und Psychotherapie – einige sprechen mittlerweile sogar von Homöo-Psychotherapie – darstellen.

Wir leben in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen, Patientinnen wie Ärztinnen, von einem lieblosen Umgang mit der Natur und einem technisierten Reparaturverständnis menschlichen Krankseins abgestoßen fühlen und nach alternativen Krankheitskonzepten und Behandlungsmöglichkeiten suchen. Auch ich begab mich während meines Medizinstudiums auf die Suche. Ich erlernte zwar Krankheiten, Symptome, deren physiologische und biochemische Korrelate und die schulmedizinischen Therapien. Zunehmend empfand ich jedoch ein Unbehagen über den herrschenden medizinischen Dualismus: Es wurde strikt unterschieden zwischen körperlicher und seelischer Erkrankung, so als ob Leib und Seele nichts miteinander zu tun hätten. Einzig die psychosomatische Medizin, die ja mittlerweile einen eigenen Stellenwert innerhalb der medizinischen Fachrichtungen innehat, schien mir eine Verbindung zwischen Psyche und Soma herzustellen.

Eher zufällig besuchte ich damals eine Vorlesung in Homöopathie und war fasziniert: Der Dozent, ein alter, erfahrener homöopathischer Arzt, unterschied nicht zwischen körperlicher und seelischer Befindlichkeit. Er sammelte sowohl körperliche als auch seelische, so genannte Gemütssymptome, um auf das richtige Heilmittel zu kommen. Er bemühte sich also, den Menschen als Ganzes zu sehen, zu erfassen und ihn auch als "Ganzes" zu heilen.

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